What’s up / Design Thinking
« Back
Februar 2013

„Design thinking“

Hasso Plattner, SAP-Gründer und Mäzen, hat es mit diesen beiden Worten auf den Punkt gebracht. Er bezeichnet so eine Methode creativer Zusammenarbeit unruhiger Geister.
Er benutzt diese Form innovativer Problemlösungsprozesse in einem für die Menschen wirklich wichtigen Bereich – nämlich im Umgang mit zukünftiger Informationsstrukturierung der Datenflut medizinischer Forschungsergebnisse.

Immer mehr Unternehmen erweitern ihren internen und externen Beratungsbedarf um „inspirative Designer“. Chromblitzende, analytische Intelligenz wird erweitert mit vorstellbaren, also die Sinne ansprechenden, Lösungswegen. Inspirational Analysis nennen wir das.
Was bedeutet das?
Fragestellungen an die Zukunft von Marken und Unternehmen wollen nicht nur in der Abstraktion von Zielen, Potenzialen und Kosten-/Nutzen-Relationen erörtert werden, sondern auch mit der Vorstellungskraft, was die Menschen wirklich in jedwedem Zusammenhang bewegt. Nur richtige Lösungen reichen nicht mehr aus. Richtige, motivierende, überzeugende, den Menschen in ihren Sehnsüchten und Träumen erreichende Lösungen, bilden die Wertschöpfung der Zukunft. Denn alles, was Unternehmen, Institutionen, Produkte und Dienstleistungen tun, – am Ende tun sie es für Menschen. Und zwar für deren unterschiedlichen Wertegefüge.
Kollektive Wertegefüge, im Sinne eines Zielgruppen Konsenses, gibt es immer weniger.
Individuelle Wahrnehmungsräume bestimmen unser Leben.
Die heranwachsende Generation, an ständige Krisenstimmung seit 20 Jahren gewöhnt, hat sich eben eingerichtet in ihrer „coolen“ Gleichgültigkeit. Und die will aufgelöst werden durch geweckte Neugierde.

Das adressierte Peter Sloterdijk mit seinem, auf den Kern reduzierten Satz „die Wertschöpfung der Zukunft gehört dem Design“. Und diese individuellen Sehnsüchte und Träume verändern sich schneller in einer Zeit der Echtzeit Entscheidungen und Informationswahrnehmung, als jemals zuvor.

Designstimulierung bedeutet, in Entscheidungsprozessen Empathie einzubringen.
Fragen nach dem „Warum“. Mit der Forderung nach ehrlichen Antworten. –
Warum soll man ein Produkt kaufen oder einem Unternehmen glauben oder einer Marke mehr glauben, als einer anderen. Die Transparenz und die gläserne Informationsgesellschaft durch die neuen Medien zwingt zu mehr, als Fragen nach dem wie oft, wann und wieviel?
Fakes, Übertreibungen, Lügen werden sofort entlarvt und bestraft.
Design thinking – eine neue Kuh durchs Dorf der Beratungsgemeinschaft?

Was bringt es, das „Design thinking“?
Keiner hat heute mehr die Zeit, die Geduld und das Geld, zunächst langwierige, theoretische Analysen anzufertigen, um dann auf dieser Basis Lösungen durch die so genannten „Kreativen“ entwickeln zu lassen. Oft beginnt man dann im Gestaltungsprozess wieder von Neuem. Denn man hat im kalten Prozess der Strategiefindung die Menschen vergessen, die begreifen sollen, was man von ihnen will. Also lässt man doch besser „Denker und Dichter“ sofort zusammen arbeiten. Die Logik wird ergänzt um Ideen. So werden Lösungen sofort vorstellbar, bereits im Entstehungsprozess der Strategie. Gestalten bekommt so seinen Ursprungswert zurück. Nicht die dekorative Ummantelung eines gedachten Konzeptes, sondern die schöpferische Kraft durch die menschenorientierte Bedeutung, von Beginn an.
Dazu braucht es verantwortungsvolle Designer, die in der Lage sind, ihre Gestaltungssicherheit in einem sinnvollen Rahmen einzubringen.
Dabei gilt das berühmte Wort von Raymond Loewy. Lösungen sollten tunlichst – „Most advanced. But yet accepted.“ – sein. Irrelevante Brillanz nützt genau so wenig wie unmotivierte Experimente.
Design for Business wird so zu Design thinking.

Peter Maeschig