What’s up / Inspirative Marken- und Unternehmensführung
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Juni 2013

Inspirative Marken- und Unternehmensführung “oder„ Was wirkt ist mehr als nur richtig.

Eine ganz andere Sichtweise zur Vertrauenskrise im Lebensmittelhandel.

Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, nennt die Entwicklung von „Risikointelligenz“ als das Ziel einer neuen Entscheidungskultur.
Mehr Fakten und mehr an Information und daraus „logisch“ abgeleitete Entscheidungen führen nicht automatisch zu Minimierung von Risiken. Das ist sein Ansatz.

Link Risikointelligenz

Es geht um die Abkehr von der „Null-Risiko-Illusion“. Sie ist in Konzernen weit verbreitet, in denen Heerscharen von Assistenten „tausende“ Powerpoint Präsentationen schreiben und so ein redliches, aber zunehmend neurotisches Streben nach absoluter Gewissheit unterstützen.

Natürlich gibt es eine Art von Investitionsverantwortung, vor allem bei „angestellten“ Entscheidern, die fremdes Kapital einsetzen.

Vorsicht, planerische Scheingenauigkeit und Angst vor Fehlern führen aber irgendwann zu einem Zustand der Agonie. Alles erstarrt in einer relativen Bewegungslosigkeit.
Die oft gewusste und erkannte Wahrheit über den richtigen Weg einer Marke oder eines Unternehmens wird nicht ausgesprochen, weil der Marsch durch die Entscheidungsinstanzen unmöglich erscheint, Widersprüche gelöst werden müssen, unbequem ist.

In den immer schwieriger werdenden Bemühungen um die Differenzierung des kaum Unterscheidbaren sind Kommunikationsmodelle von heute immer systematisierender, systematischer, mechanischer, allgemeiner und somit auch unpersönlicher geworden.

Und die relevante Aufmerksamkeit zu erreichen, in einem, in Echtzeit ablaufenden Wettbewerb, ist nicht einfach.

Es gilt heute umso mehr –
„Es ist keine mechanische Rechnung, die zu den großen Markenschöpfungen führt“.
Es geht nach wie vor um die „Gewinnung des öffentlichen Vertrauens“, die Hans Domizlaff fordert. http://www.hans-domizlaff-archiv.de/index.php?id=28,139,0,0,1,0

Vertrauen, Empathie, am Menschen orientierte Werte, auch in der Markenführung, scheinen Wortbegriffe zu sein, die heute Gefahr laufen, unmodern, also nicht „cool“ zu sein.
Alles muss „hype“, „cool“, „sexy“, „schnell“ und vor allem „fast moving“ sein.

Keiner kann es ändern, dass alle Lebensmittelanbieter meinen, ihre Produkte seien etwas ganz Besonderes. Und oft ist die Produktqualität auch mit hohem „F&E“- Aufwand entwickelt worden.
Aber oft reicht das nicht mehr aus, in Zeiten der Gleichzeitigkeit und mangelnder Exklusivität.
Man muss eine relevante Geschichte erzählen. „Relevant Fantasies“ sind gefragt.
Und zu Zeiten der totalen Informationstransparenz werden überraschende, „relevante stories“ zum „Matchwinner“. Neben der philosophischen Ausgangsfrage taucht zunehmend der wissenschaftliche Fragenansatz auf.

Der allgemeine Wettbewerbsdruck auf den entwickelten Märkten wird größer, natürliche Wachstumsprozesse finden selten statt. Entscheidungskriterien und Zyklen werden im Lebensmittelmarkt komplizierter und kürzer. Intelligent und gut ausgebildete Mitarbeiter finden sich in jeder Firma und jedem Unternehmen. Das berühmte Näschen fürs Geschäft wird immer seltener. Was tun?
Es stehen sich zwei Thesen gegenüber:

1. „Vordergründiges Effizienzdenken und –verhalten steht oft im Widerspruch zur wirklichen Wirksamkeit, und nicht derjenige ist immer der Erfolgreichste, der die meisten Informationen hat, Intuition und Bauchgefühl werden ebenso essentiell.“ (Frank Schirrmacher)

2. Dem gegenüber stehen die Vertreter der hocheffizienten ökonomischen Betrachtung aller Vorgänge, alles muss erklärbar sein, alles muss begründbar sein, alles muss vernünftig sein und im Sinne eines zunehmenden Kapitaldrucks allen Controllingaspekten gerecht werden.

Was ist richtig? Was führt uns weiter? Erfahrungen, Betrachtungen und Nachdenklichkeiten, sowie Inspirationen zum Thema Unternehmen- und Markenkonzepte der Zukunft, denn wer auch immer recht hat, es gilt die Abwandlung des alten Medizinerspruchs „Wer heilt, hat Recht“, für das Geschäftsleben: „Was wirkt im Markt, ist mehr als nur richtig“.

Und wer sich an die Wahrheit hält, gewinnt Vertrauen.
Und wer im Lebensmittelmarkt nicht nur den schnellen Erfolg sucht, braucht auch keine fragwürdigen Beschaffungsmethoden.

Peter Maeschig