„Coronomics“ – die Lehre aus den Lehren während und nach den Corona-Zeiten.

von | Sep 25, 2020 | Essay

Ich habe zwei sehr kluge Geschäftsfreunde, die sich mit dem Thema beschäftigten. Was sollten Unternehmer anstellen, wenn abzusehen ist, dass Corona irgendwie überwunden ist? Sie nannten es „Coronomics“.

Sie befragten hunderte von Unternehmensleitern und Manager, und eine einhellige Meinung wurde festgestellt – man müsse kreativer und inspirativer die jeweiligen Märkte bearbeiten, wenn dann die Phase der Lähmung vorbei sei. Es gibt eine ständige Kolumne namens „Coronomics – die Langfristfolgen der Pandemie“ im täglich erscheinenden Handelsblatt. Aspekte unserer Zeit werden von anerkannten Wissenschaftlern und Experten behandelt.

So weit, so gut. Ich ergänze um weitere Beobachtungen.

Jeder von uns hat eine Menge Freunde in Unternehmerkreisen, die eine plötzliche Aktivität der Finanzämter feststellen. Sachverhalte, die seit Jahren unbestritten sind und waren, aber nun plötzlich und fast inquisitorisch hinterfragt werden. Und zwar bei solchen Unternehmern, die sich kritisch, konstruktiv-wohlmeinend im Sinne der Demokratie mit dem schleichenden Staats-Dirigismus auseinandersetzen. Aber der Staat braucht ja nun mal Geld, um all das zu bezahlen, was er verspricht. Und da schaut man doch mal gerne bei den Grenzfällen nach. Mal sehen, ob die sich wehren – Honi soit qui mal y pense.

Es gibt die Beobachtung, dass die öffentlich rechtlichen Medien in der Berichterstattung über Corona und Migration fast gleichgeschaltet sind – Themen, wie „Gefahr“ auf der einen Seite, siehe Dramen aus Spanien, wie auch „ist doch alles machbar“, auf der anderen Seite – zum Beispiel die Migrationsthemen ohne Rücksicht auf Verluste. Lass doch unsere Migrationsfreunde in Hamm zu hunderten Hochzeit feiern, und so Hamm zum Corona-Hotspot werden. Man liest wenig, man hört noch weniger über die Hintergründe, zu einer Zeit, in der alles und nichts medial ausgeschlachtet wird. Dass unsere Freunde aus den Ländern der aufgehenden Sonne zu Hunderten ständig Familienfeiern abhalten, sich einen Teufel um die Hygieneregeln kümmern und sich reihenweise anstecken, wird als Nachricht unterdrückt – Honi soit qui mal y pense.

Gott sei Dank hat sich der NRW-Minister Herbert Reul jetzt eingeschaltet, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Aber es hat lange gedauert, bis der öffentliche Druck auf die Meinungsbildung der Autoritäten wirkte.

Neulich hörte ich im Autoradio eine fröhliche Radiomoderatorin flöten, dass jetzt schon jedes 4. Kind in der Schule kein Deutsch mehr spreche – man konnte den menschenfreundlichen sozialromantischen Stolz dieser Reporterin durch den Lautsprecher spüren. Ich habe mich sofort im nächst möglichen Sprachkurs für hocharabisch angemeldet, denn es steht zu befürchten, dass in ein paar Jahren Deutsch als Fremdsprache gehandelt wird.

Was ist das für ein Gebräu im Stimmungstopf der deutschen Gesellschaft?

Erstens.
Die Wahrheit und die Realität in den Unternehmen ist eine andere, es macht sich so langsam Angst breit, dass wir auf dem besten Wege sind, uns abzuschaffen.

Vielleicht hat Herr Thilo Sarrazin doch Recht?
Agonie und Entscheidungsängste machen sich breit, Organisationen richten sich bequem ein in die kuschelige Home-Office-Atmosphäre und die mehrfach belasteten Mütter merken als erste, wie anstrengend die Situation ist.

Und unsere Lehrer an den Schulen machen es sich bei vollem Gehalt – wie im übrigen alle Staatsdiener – noch bequemer, sie übertragen oft das Lehrprogramm direkt nach Hause, zu den Eltern. Ich kenne Familien, in denen alle verfügbaren Familienmitglieder in einem streng geordneten Programm die schulische Erziehung der Enkelkinder übernehmen.
Die Angestellten in den Unternehmen beginnen sich zu fragen, wie lange ist mein Arbeitsplatz noch sicher? Die Unternehmer fragen sich, wie lange sie die Umsatzdürre noch durchhalten. Nur die Beamten und Staatsdiener haben diese Sorgen nicht. Die wollen nur mehr Geld, weil man ja doch gesehen hat, wie toll die Verwaltungen gearbeitet haben. Dass Richter und Zulassungsbehörden für Kraftfahrzeuge wochenlang nur in sehr begrenztem Umfang gearbeitet haben – da schweigt des Sängers Höflichkeit.

Zweitens.
Der Staat überzieht seine Rolle in Zeiten der geschürten Gefahr. Wie der Virologe Professor Hendrik Streeck sagte, wir sollen Corona nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber wenn wir so weitermachen, gibt es demnächst gar nichts mehr, was wir schultern könnten. Wenn wir alle, auch die Meinungsmultiplikatoren wie die Lemminge einem Meinungsstrom hinterher hecheln und verstärken, dann sollten wir uns nicht wundern, dass wir den Ast unseres Wohlstandes absägen. Es wird uns die Lust genommen, nach vorne zu denken. Der Staat übernimmt alles –auch die Verantwortung für die vielen kleineren und mittleren Betriebe, die ja nicht als systemrelevant eingestuft werden.

Drittens.
Wenn es so weitergeht, wird es mit dem frommen Wunsch der Inspiration nichts. Inspirieren kann man nur, wenn man eine eigene große Stärke hat, oder und eine lustmachende gesellschaftliche Stimmung verspürt und Teil eines permanenten Aufbruchsmodus ist. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alle in einen wehklagenden Modus verfallen. Politisch interessiert werden nur diejenigen sein, die sich nicht um ihre Existenz kümmern müssen. Das wird sich ändern, wenn wir so weitermachen. Denn dann haben noch weniger junge Leute Zeit, sich für den Staat zu engagieren – natürlich bis auf die Jungbeamten und Staatsdiener, die bekommen ihr Geld ja auch so.

Der Sozialwissenschaftler und Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann spricht von einer Generation “Greta“, eine Gruppe, die politisch sehr direkt, sehr unideologisch, nicht aggressiv und überwiegend weiblich ist. Sie sieht die Klimafrage auch im Kontext ihrer Gesundheitsthemen. Sie werden politisch aktiv bleiben. Mir scheint, da schimmert etwas vernünftiges durch – an den Sachthemen orientiert und nicht am Machterhalt. Wenn das die Coronomics Konsequenzen werden, dann habe ich trotz Allem Hoffnung. Resilienz ist in Zukunft gefragt. Das sich durchsetzen in unbequemen Zeiten. Das unbeugsame und das kreative Lösen von Problemen. Aus allen Situationen das Beste machen. Heitere Gelassenheit. Die Kräfte bekämpfen, die uns klein halten wollen und das gesunde Selbstbewusstsein pflegen. Weiter daran arbeiten, dass uns die Lust am Weiterentwickeln nicht verloren geht.

Viertens.
Mir hat ein weitere Geschäftsfreund neulich gestanden, dass er durch die Themen, die durch Corona entstanden sind, plötzlich wieder eine ungeheure Lust bekommen hat, seine Firma zu erneuern. Auch das gibt mir Hoffnung. Daran orientiere ich mich – an der Chance, alles zu verändern, was in unserer Wohlstandsillusion sich nicht mehr bewegte. Und wenn es das eine ist, das man erkennt – kein Baum wächst in den Himmel. Bodenhaftung ist gefragt, aber bitte mit Intelligenz und Kreativität. Und weg mit dem Mehltau einer gleichmachenden Stimmung und dem kleinbürgerlichen Verzagtsein.

Dann klappt es auch mit dem Finanzamt.

Düsseldorf, den 25.9.2020