Die ersten Sonnenstrahlen der wiedergewonnen Meinungsfreiheit

von | Feb 5, 2021 | Essay

Die FAZ, mein tägliches analoges „Lesebrot“ schreibt doch tatsächlich am Mittwoch, 27. Januar 2021 auf der Titelseite, „Warum können wir das Reisen nicht verbieten? Nur weil die Frau, die hinter Mauern aufwuchs, bevor sie Kanzlerin aller Reiseweltmeister wurde, sollte man ihr nicht mit ’freies Land Belehrungen kommen.’“ 
Welch eine feinsinnige Ironie. Und dann weiter, – „wir nähmen ja gerne ein Beispiel an ihr und kämen morgens ebenfalls fasziniert ins Büro, als ob wir nicht wüssten ’wie der Abend aussieht‘“.

In diesen zwei Sätzen sind einige versteckte Botschaften.

Wie neulich ein Verhaltensforscher erklärte, entwickelt der Mensch ein Freudsches Vergnügen an der Ausübung der Macht, wenn er in machtlosen Umständen groß wurde.

Freies Land war für die Eingesperrten solange ein Wunschbild, solange man eingesperrt war. Einmal frei und beweglich, interpretiert man Freiheit plötzlich anders.

Dass man morgens fasziniert ins Büro geht und neugierig darauf wartet, was so am Tag geschieht, ist eigentlich über so lange Zeit – 16 Jahre – möglich, wenn man an jedem Monatsende sein Salär auf dem Konto vorfindet. Wenn man wie die Mittelständler im Hotel und Gastgewerbe, die Unternehmer ohne Systemrelevanz, die Unternehmer, die im Kampf der Transformation eigentlich schon ziemlich gefordert sind, monatlich darum kämpfen, die Liquidität für die Betriebskosten zu sichern, dann auch noch hören muss, dass man doch gefälligst fasziniert von der Corona bedingten Situation sein sollte, dann wird die Arroganz des Herrschenden deutlich. Und kritische, andere Meinungen als die im Kanzleramt sind irgendwie verstummt.

Das alles ging mir durch den Kopf, als ich geschäftlich in unser Nachbarland Schweiz reisen musste. Corona Test ausgerüstet – natürlich negativ – mit den Bestätigungsschreiben des Kunden in der ledernen Reisetasche – natürlich Hartmann Koffer, Old School New York – fuhr ich, im Vergaser getriebenen Pkw an die Grenze heran. Nichts, gar nichts geschah. Keine Kontrolle, weder auf Deutscher noch auf Schweizer Seite. Es interessierte niemanden, ob ich über die Grenze fuhr oder nicht.

In den Folgetagen las ich immer wieder von Grenzkontrollen, Ein- und Ausreise Stopps, Kontrollen und Bestrafungen. Mir wurde Angst und Bange. Vor der Rückreise nochmal ein Corona Test, weil ich gelesen hatte, an der Deutschen Grenze wird kontrolliert, bange Minuten vor der Grenzüberfahrt. Nichts geschah, rein gar nichts. Gespenstisch leer lagen die Zoll und Grenzkontrollstationen da. Keiner interessierte sich, ob und wie ich aus vermeintlichen Corona Gebieten zurück nach Deutschland fuhr.

Was geschieht da mit uns?
Durch die ständige Berichterstattung, dass alle streng kontrolliert werden, dass man Ein- und Ausreiseverbote erlässt, dass man Flüge und Grenzstationen schließt, wird den Reiswilligen oder denen, die reisen müssen so viel Angst eingeflößt, dass man es sich dreimal überlegt, ob man reist oder nicht. Und genau das will man. Man will es den Menschen so unbequem wie möglich machen und Ungewissheit schüren.

Herr Seehofer hat es nun endlich in der Augsburger Zeitung wörtlich zugegeben: „Wir wollen den Menschen das Reisen so unbequem wie möglich machen.“

Wir leben in einer Meinungsmache Episode. Nur so ist zu erklären, dass man den ganzen Tag lang die Nachrichten über das Corona Virus aus aller Welt erdulden muss, so dass man maximal verunsichert wird.

Sodass man eingeengt wird – alles zum Wohle der Inzidenzzahlen. Und wenn man dann einmal den Mut gefasst hat und ins Ausland kommt, und wenn man dann mit Meinungsbildnern redet, dann bekommt man ein ganz anderes Bild von Deutschland. Man schüttelt den Kopf, man lächelt leise vor sich hin, man bekommt die Frage gestellt, wie blöd seid ihr eigentlich, oder harmloser gefragt, „was ist bei euch los“?

Jeder hat Respekt vor dem Virus, aber muss man deswegen respektlos vor den Menschen sein? Es setzt sich doch zunehmend die Erkenntnis durch, dass Impfung hin oder her, die Menschheit mit einem solchen oder ähnlichen Virus leben muss. Und das laut Prof. Hendrik Streek mindestens 80 Prozent aller Corona zuzuordnenden Verstorbenen in Seniorenheimen verstorben sind, weil man es versäumte dort frühzeitig zu testen und zu heilen. Freiheit hat auch etwas mit Wahrheit zu tun und intelligentes Pandemiemanagement hat etwas mit langfristiger Planung zu tun.

Also dann lasst uns doch alles daransetzen, dass wir auch langfristig gesellschaftlich, intellektuell, wirtschaftlich „überleben“. Aber manchmal hat man den Eindruck, dass will man gar nicht.

Also schauen wir fasziniert jeden Morgen auf unser Windows, oder schreiben in Pages, treffen uns virtuell und digital. Und wundern uns, dass die Behörden gelobt werden, natürlich von anderen Behörden, da sie immer alles besser wissen, allerdings erst hinterher.

Und wir verstehen, warum zum Beispiel auch Insolvenzverwalter hinterher auch immer alles besser wissen, was man als Unternehmer doch hätte anders machen sollen. Aber auch dann sei in der Krise gesagt: Ende ist erst, wenn alles vorbei ist.

Es schleicht sich eine Argumentationskultur ein, die an oberlehrerartige Belehrungen erinnern, oder aus einem so spitzen Winkel der Erkenntnis gewonnen werden, die an der Realität eines im heute agierenden Unternehmer vorbeigehen.

Wie lange geht das noch gut?

Aber Hoffnung taucht auf. Es trauen sich die ersten Wohlmeinenden aus der Deckung heraus. Keine Querdenker, keine Verschwörungstheoretiker, sondern immer klarer denkende Menschen.

„Wednesday morning at five o’clock, as the day begins. Silently closing her bedroom door, leaving the note that she hoped would say more,. She goes downstairs to the kitchen clutching her handkerchief. … Stepping outside, she is free. ….“ So habe ich das Titelbild der FAZ vom 27. Januar 2021 verstanden.

Und die Beatles hatten doch recht.
Das morgendliche Licht der Freiheit ist ein hohes Gut.

Köln 04.02.2021