„Die Rechnung bezahlen die mittelständischen Unternehmer.“

von | Dez 15, 2020 | Essay

So in etwa beschrieb die FAZ vom Freitag, den 10.12. 2020 die Konsequenzen des für diesen Zeitpunkt vorhersehbaren Lockdown schon vor Weihnachten.

Dieser simple Satz beschreibt präzise das Gefüge, in dem sich die deutsche Gesellschaft befindet.

Der sogenannte moderne Mainstream der Gesellschaft zeigt einen Verfassungszustand, orientiert an einer an die Bequemlichkeit gewohnte Haltung.

– Die Mehrheit stimmt den Maßnahmen der Regierung zu, teils aus Angst vor den unberechenbaren Folgen der Pandemie, teils weil es im Augenblick keine wesentliche Verschlechterung der persönlichen Lage gibt – das Gehalt wird weiter bezogen, die Miete für den Winter ist gesichert, an Lebensmittel mangelt es auch nicht und ein Slow Down bei der Arbeit ist aus Arbeitnehmersicht – natürlich nicht von allen – auch nicht so schlecht. Man richtet sich eben im Lockdown ein. Die breite Zustimmung zu den schärfer werdenden Maßnahmen ist ein nicht ganz klares Gemisch aus Respekt vor der Pandemie, und der noch nicht die persönliche Befindlichkeit bedrohenden Lebenssituation.

– Unternehmer haben dagegen eine unbequeme Situation zu bewältigen, die sie so auch noch nie kennengelernt haben – zunehmend fremdgesteuert gespeiste Unsicherheit im Allgemeinen und zunehmende Ängstlichkeit bei den Gesprächspartnern des Business-Lebens.

Meetings werden abgesagt, weil man Bedenken hat, jemand könne infiziert sein, oder man selbst sei ein Träger des Virus und ähnliche Argumente des gesundheitlichen Bedenkens werden vorgetragen. Man spürt eine wie auch immer motivierte Sensibilität, die man bei anderen Massenerkrankungen wie Aids, Schlaganfall oder Herzinfarkt nicht kannte.

Es entsteht eine zunehmende Lähmung des Handelns und Wandelns – kurzum ein langsames Absterben des aktiven Wirtschaftslebens.

Mir hat mein Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, der fast 24 Stunden am Tag arbeitet in diesen von Finanzhilfen geprägten Zeiten, berichtet, dass wichtige Besprechungen abgesagt
werden, weil selbst Restrukturierer und Insolvenzverwalter „Political Correctness“ und Übervorsicht walten lassen – die oft schwerwiegenden Konsequenzen durch nicht proaktives Retten von Unternehmen und für die betroffenen Mandanten und in Schieflage geratenen Unternehmen dramatischen Situationen werden völlig ausgeblendet.

– Wie gesagt, alles wohlverstanden und als jeweiliges, begründetes Argument nicht wirklich zu widersprechen – aber es werden Entscheidungen aufgeschoben, Perspektiven und Pläne verschoben und wir alle laufen Gefahr, in einen „Warteschleifenmodus“ zu verfallen. Die Konsequenz – Erträge schmälern sich für die Unternehmen, Fixkosten laufen weiter, Substanzen verzehren sich, Reserven schmelzen dahin, Finanzämter und Krankenkassen wollen weiterhin ihre Beitragszahlungen, am Ende bleibt den Unternehmern nur noch das rechtzeitige Abwickeln ihrer Firmen, wenn diese nicht etwas produzieren, oder erarbeiten, was irgendwie trotz allem als notwendig erachtet wird.

Diese Entwicklung wird in diesen Tagen billigend in Kauf genommen, denn die Finanzhilfen für die berechtigten Firmen kommen entweder spät oder dann doch gar nicht.

– Die Gehaltsempfänger bekommen im Zweifel noch weitere drei Monate Insolvenzgeld. Dann bleibt nur noch der Gang zum Arbeitsamt. Diese Möglichkeit sehen nach den Umfrage- ergebnissen im Augenblick wenige Mitbürger, denn eine hohe Prozentzahl – ich glaube über 70% – macht sich keine Sorgen ob ihres Arbeitsplatzes. Aber – die Rechnung zahlen am Ende eben nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Gehaltsempfänger.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, man muss von der Gefährlichkeit des Virus ausgehen, man kann sich nicht vorstellen, dass die Einschränkungen nur dem Machterhalt oder einer Machterweiterung der Politiker zuzuordnen sind.

Aber man muss von einer falsch verstandenen Arbeitnehmersicherheit ausgehen, so wie die Gesellschaft zu großen Teilen gelassen reagiert. Aber an uns alle – nur wenn es den Unternehmern einigermaßen gut geht im Sinne der Sicherheit, dass es irgendwie weitergeht, wird es auch Arbeitsplätze geben. Arbeitsplätze werden nur erhalten, wenn der „Deal“ stimmt – der Deal heißt, Projekte und Ideen werden vom Kapital (Unternehmer) beigesteuert, die Mitarbeit, die Verbesserung und die Realisierung durch die Angestellten (Arbeit).

Wenn eine Seite der Gleichung nicht mehr existiert, dann ist die Grundlage des „Deals“ einer Gesellschaft, in der wir immerhin noch leben, nicht mehr gegeben, Gewerkschaften hin oder her.
Politik hin oder her, Gesundheitsthemen hin oder her.

Wir sollten alle nicht die Lust verlieren, unsere Zukunft in die Hand zu nehmen, sie selbst zu entwickeln, modern und zeitgemäß zu denken und zu handeln, neue Gedanken zu formulieren, Gespräche zu suchen, die eigenen Märkte zu analysieren, was man tun kann, Fragen beantworten wie – was nutzt den Menschen (Kunden) in der Zukunft und was nicht, die unternehmerische Idee immer wieder neu zu formulieren – das ist die Aufgabe von Allen. Und die Gehaltsempfänger sollten vollständig begreifen, dass sie ein Teil der Zukunft sind und mitgestalten. Dann übernehmen Unternehmer auch gerne die Verantwortung für alles, was sie sowieso tun müssen.

Unternehmer, die sich jetzt aus der Verantwortung stehlen, sind keine Unternehmer, auch wenn sie gerade die Zeche bezahlen. Es wird die Zeit kommen, da der Unternehmer auch wieder wertgeschätzt wird, gerade dann, wenn er diese Zeiten motivierend in die Zukunft denkend übersteht.

In diesem Sinne, „wer die Zukunft nicht gestaltet, den gestaltet die Zukunft“.

Düsseldorf, 11.12.2020