Lieber Friedrich, wo bist Du?

von | Apr 1, 2020 | Essay

Dienstag, der 30.3.2020 – ungefähr zehn Tage nach der Verhängung der eingeschränkten Kontaktsperre. Frau Merkel verkündet weiterhin, wir müssen Geduld haben.

Aber womit sollen wir bitteschön Geduld haben?

Ein Gespräch heute Nachmittag mit einem Besitzer von Reha Kliniken in Ostwestfalen. Er sagt mir, dass 50% seiner Betten leer stehen, dass die Intensivstationen im nahen Paderborn ebenfalls leer stehen, und dass die Kapazitäten nicht ausgeschöpft sind.

Im Fernsehen abends erlebe ich Nachrichten der Mangelwirtschaft, oder besser DDR-Wirtschaft, – keine Atemmasken, keine Beatmungsgeräte, keine Betten für schwer
Erkrankte.

Lieber Matthias Döpfner Sie haben recht – man kann Zweifel bekommen. Was ist die Wahrheit? Ist die Pandemie so gefährlich, dass wir alles Gesunde absterben lassen müssen, oder wird ein Spiel gespielt, dass wir alle noch nicht verstehen?

Es gibt einen politikwissenschaftlichen Ansatz. Wir haben in Deutschland in den letzten ca. 30 Jahren eine Kultur der Verantwortungsverschiebung entwickelt. Verantwortung wurde zunehmend sozialisiert. Keiner will Verantwortung für konsequente Entscheidungen übernehmen. Man steigert sich in die extreme Stärke von dirigistischen Maßnahmen, vermeintlich, um das Gemeinwohl zu schützen. Sozusagen „political correctness“ in
Krisenzeiten.

Weiterhin haben wir in Deutschland ein Prinzip entwickelt, dass sich die Gesellschaft am schwächsten Glied orientieren muss und dabei die Leistungsträger in ihrem Wirken abschnürt. Genau das geschieht gerade. Bitte nicht missverstehen – jeder Erkrankte und Tote ist einer zuviel, aber in der Summe rechtfertigen sie nicht die seelischen, körperlichen und finanziellen Opfer, die demnächst alle bringen müssen, und sie rechtfertigen nicht das Abwürgen unserer Gesellschaft, mit all seinen mikrokosmotischen Verästelungen. Es ist ein Angriff auf das Kapillarsystem unserer Gesellschaft – bewusst oder unbewusst.

Und dann fahre ich über eine gespenstig leere Autobahn am helllichten Nachmittag nach Düsseldorf zurück und höre im Autoradio die Stimme einer im Staatsdienst verklärten Sprecherin, dass die KFW-Maßnahmen schon greifen und schon Geld geflossen ist.

Mein Finanzvorstand berichtetet mir heute morgen von der Aussage der KFW – auch wir haben Hilfsprogramme angemeldet –, dass finanzielle Hilfen erst dann stattfinden, wenn die Kapitaleigner ihr gesamtes Privatvermögen im Dienste ihrer Company eingesetzt und in diesen Zeiten letztlich verloren haben.

Sind wir schon im Staatsfernsehen und Radio? Welche ist die Wahrheit? Leben unsere Politiker in einer anderen Welt? Ich beginne auch zu zweifeln.

Kurzum – ich sehne mich nach einem Typ „Friedrich Merz“, hoffentlich ist er bald gesund und entwickelt eine sinnvolle Gegenkraft.

Denn was nützt die Überwindung einer Epidemie, wenn keiner mehr wirtschaftlich überlebt, wenn die Arbeitgeber nicht mehr können ,weder finanziell noch ideell, unabhängig davon, wieviel tatsächlich Infizierte, Erkrankte und Tote festgestellt werden?

Wir driften in eine Staatsdiktatur, in eine zunehmend zu „heiß gewaschene“, DDR-ähnliche Bevormundung.

Ich sehne mich nach etwas mehr Vernunft, es sei denn, unsere Politiker verschweigen uns etwas über Corona, was wir besser nicht wissen sollten.

Wir sollten aus der Situation etwas lernen. Rein effizienzgetriebene und verschroben argumentierte Gesundheitspolitik ist in unserer vernetzten Welt offenbar nicht klug. Wir sollten unseren Reichtum verwenden, für die bestbezahltesten Ärzte und Krankenschwestern, Pfleger und Pflegerinnen. Wir sollten uns unabhängig machen, von allen, die im Krisenfall weg bleiben.

Aber dafür braucht man eine prosperierende Wirtschaft, Produktion und intelligente Dienstleistung.

Friedrich Merz – wo bist Du?
Oder wenn irgend jemand anderes es sich zutraut, die Destabilisierung unseres Landes aufzuhalten, bitte melden.

Düsseldorf, 01.04.2020